Eine ganze Generation - Er hat es geschafft…

17. April 2006, gebloggt von lost in vortex

Eine ganze Generation.. er hat sie sich gezüchtet. Oberflächliche Feiermäuse, welche ihr leben anhand ihrer Floor choreogaphie bewerten.

generation.jpg

Er ist wohl ein Held, oder ein Guru oder einfach nur ein super Produkt.

Zu einer Zeit, in welcher ich mir aus irgend einem Grund nur die Namen der DJs aus meinen lieblingsclubs merken konnte wurde er mir mit folgendem Zitat beschrieben:

…wenn ich nachher aufwache und du bist immernoch da, lass ich dich rausschmeissen.

Naja. Was man mir damals damit sagen wollte, werd ich auch in zukunft nicht als interessant betrachten. Aber vielleicht hab ich mir dieses “Zitat” über ein Jahrzehnt nur gemerkt um es hier, jetzt und heute los zu werden.

Aber da sind wir nun im Jahr 2006. Am Ende einer langen Reise, auf einem Parkplatz voller Gestalten.
Gab es nicht mal die Zeit, wo wir uns jedem erklären wollten ? Jeden vom Techno überzeugen und uns eingliedern wünschten ?
Wann war das vorbei? Ich kann mich nicht erinnern. Aber aus wunsch wurde mit einem mal Angst.
Plötzlich waren es zu viele. Man war nicht mehr familiär.
Was doch selbst in städten über 500 000 Einwohnern damals möglich war.
Es gibt aber auch kaum noch werte. Jeder Trend ist der beste. Jede Location hat ihre eigene Szene und genau auch diese, ist dann meist die einzig ware.
Passe auch der Bildungsstand. Keine “linken elektrotechnik oder informatik studenten” oder immer grüne ökomäuse beim Tanz für den Regenwald.

Empfand ich es doch 1994 als ziemlich prollig’nen Kunden mit Bierflasche auf dem Floor zu sehen. Bin ich heutzutage glücklich wenn der DJ nicht gleich den Sangria Eimer auf den Tisch stellt.

Fuck.. sie benutzen worte wie Ibiza und Großraves ohne sich zu genieren? Hab ich was verpasst? Für mich klingt das alles wie Mallorca, Castrop Rauxel, Bochum.. bla.
Was is da Cool?

Held über die Clubs. Das Dorfprinzip

hand.jpg

Vielleicht ist es das ganze auch nur im großen. Das Dorfprinzip.
Unbestritten, dass es über Jahre immer wieder “Stars” gab, welche durch
Clubs in die Lineups gedrückt wurden, weil sie aus einem nahen, “ihrem” Dorf kamen, wo sie sowieso immer schon den “Helden” miemten und man somit auch gleich ihre treue Fancrowd im Club hatte.

generation.jpg
Sie legen echt Wert auf schönes Tanzen. Palucca stell ich nicht in Frage. Aber im Club? Schön? Wir, die häßlichen Kinder der Gesellschaft.. *lach*

105 in tiefergelegten Printen anreisende Groupies, welche ohne ihren Superstar sowieso nicht aufgetaucht wären. Somit hat man sich auch nicht wirklich Publikum genommen, selbst wenn man das Dorf komplett auf G-List gesetzt hätte.

Die bereisten Städten wurden immer größer, die entfernungen weiter. Aber die loyale Crowd wuchs.
Vielleicht sind es am Ende ja genau sie, die Dörfer, welche über Sieg und Niederlage bestimmen und die Produkte der Großstadt wählen.

Gibt es nicht Regionen, in welchen Städte sowieso kaum bewohnt und der gemeine Partygänger, auch wenn er sich zur nahegelegenen Metropole zuordnet meist die Postleitzahl eines Zwergstädtchens im Ausweis trägt?

Sie moderieren ihre Sets wie der “Breakdance” Promoter auf dem Rummelplatz.

Es ist wohl alles Rummel. Schließlich sind es auch genau jene, welche erst recht ausserhalb der kulturellen Metropolen als Highlight, Jugendtreff und wichtiger Bestandteil des “erwachsen werdens” dienen.

Und dann sind sie da: Aaaaaabfahrt !!!

Ihre Clubs waren unsere Dissen, ihr KULT unser Abschaum, wir sind nicht sie und sie werden niemals wie wir. Auch wenn sie uns unterwandern.

Denn wir sind BERLIN.

Die kulturelle Frage stellt sich nicht mehr. Oder es erinnert sich niemand.
Die Hotspots unserer Republik. Als Technotracks noch dreisprachig waren und man zum allgemeinen verständnis des deutschen, englischen und spanische fähig sein musste.

Wo ist dieser Wettkampf geblieben? Gibt es im Städteeinerlei nichts mehr worüber man sich hervorheben will?

Du sollst keine anderen Götter neben mir haben.

Aber beten wir nicht zu den Ihren?

Intolleranz will ich auf keinen Fall fördern, aber die Frage aufwerfen, wo denn die unseren geblieben sind. Warum eine Stadt zum Spielplatz von Menschen wird, welche diese Stadt vor der TÜR läßt.

notextWikipedia.org
Um auch mal mit dessen Nutzung zu prahlen. Wikipedia weiß natürlich noch viel mehr über die zehn Gebote.

Der Unterschied liegt wohl doch in der Gleichheit. Nein. Darin, dass das selbe überall anders verstanden und interpretiert wird.

Du sollst keine andern Götter haben vor mir.

München definiert sich über hohe kosten, harte Türen und die ermangelung des hochdeutschen.
Frankfurt ist der Vorhof zur Hölle. Auch wenn die Beats langsamer und die Diskos weniger wurden.
Berlin hat mal wieder sein Gesicht verloren und zelebriert sich darüber, dass Münchner, Frankfurter, Hamburger und ungefähr 16708 Ortsnamen dazwischen auf den Gästelisten genannt werden.
Dresden sticht für mich persönlich hervor, da sie dort ein Berlin kopieren wollen, welches es garnicht gibt und dies dann auch noch herzlicher und dicker.

top50.jpg
Wir sind alles Stampfer - aber auch härter

Es ist so DJs F!©ken besser. Wie sollte es auch anders sein. In dieser Stadt ist doch ein jeder DJ. Wäre es nicht so würde wohl auch niemand F!©ken.
Über frequenz und intensität entscheidet am ende nur dein Platz im LineUp. Oder auch nur das Timetable. So bekommen die Afterhour acts zumindest noch den rausschmiss und nehmen mit was noch nicht allzu sehr stin..

Stellt das jetzt irgendwer in Frage? Gibt es hier wirklich leute ohne Decks?

Ich denk mal, dies alles klingt grad total gefrustet oder nach einem pickeligen Looser, welcher ständig an den Türen der Clubs kleben bleibt.

Um das Bild zu korrigieren - dem ist nicht so. In weit über einer dekade strunz und beatz und bässen und djs und Tanzmäusen - bin ich nur ein einziges mal an einer Tür gescheitert.
Dies dann aber auch nur weil mein begleiter - mittlerweile “nur mit den TOP 50s” dieser Stadt unterwegs - aufgrund seiner Rheinländer Cord Pash nicht ins Ostgut kam.

Nunja die Zeiten ändern sich. Ich bleib was ich bin und das ist keinstenfalls zu beneiden. Aber es ist Berlin.. Gosse.

Nur so am Rand. Hat irgendwer in letzter Zeit bemerkt, dass es Tikker gibt welche mit Funkgeräten ausgestattet sind?
Wenn nicht ein Tip, an jene welche ich in ihrem unermüdlichen Kampf gegen dieses Gift und den damit verbundenen Kommerz in unserer Szene absolut befürworte.
Nach Bonbons hat mich soweit ich mich erinnern kann seit ewigkeiten niemand gefragt. Der Begriff ist unüblich. Wenn mich irgendwelche Pluggies anlabern sagen sie erschreckender weise gerade heraus was sie wollen. Demnach könnten auch die bösen Jungs von diesem Begriff evtl. leicht irritert werden.p.s. selbiges gilt im übrigen für Tanztaler.

Wir werden wohl warten müssen was es bringt.
Genauso wie ich vor drei vier Jahren noch auf das Revival der Neunziger hoffte, sehne ich mich derzeit danach, dass Berlin wieder *out* wird.

Eine voll verweiste Stadt. Tanztempel ohne Herren. Ruinen des Konsums. Der Wilde OSTEN part 2.

..das Schauspiel hätte ein Ende. Wir würden uns wieder alle lieben. Freiwillig, ohne Blick ins Timetable und die bange Frage, wie ich morgen meinen 278 Freunden bei Myspace das ganze am besten mitteilen kann ohne ein 25mb beweis avi des cumshots einbinden zu müssen.

V3R23!H7 M1R

weitere Beiträge:

Der Beitrag wurde am Montag, den 17. April 2006 um 15:56 Uhr veröffentlicht und wurde unter Das wahre Leben abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. Du kannst einen Kommentar schreiben, oder einen Trackback auf deiner Seite einrichten.

3 Reaktionen zu “Eine ganze Generation - Er hat es geschafft…”

  1. VinceVice

    take it easy and relax! ;)

    du hörst Dich schon an wie meine Großeltern … “früher war alles besser” :p
    ein Menschenleben besteht auch noch aus ruhigen Stunden ohne kultiges gefeier und laute Bässe.

    vielleicht bist du auch nur auf den falschen Parties oder kennst die falschen Leute?

    mir geht es übrigens ähnlich, aber ich geh auch nicht mehr allzu oft weg dafür…mein tribut an die Kommerzialisierung des “Underground” ;)

    mir persönlich fehlt derzeit nur ein wenig der True-Spirit aus dem Tresor-Globus.

    grüße aus Berlin :)

  2. VinceVice

    achso

    ps: netter Artikel!

  3. somorona nefertiti

    jetzt wetter hier mal nicht über myspace!
    tolle gommjunidie!
    da kannste ganz ganz viele bilder hochladen…
    um den anderen wichtigen leuten da zu zeigen, wie gut du ohne dunkelbraune augenringe und pickel aussehen kannst und wen du alles kennst!
    tja.
    er hats geschafft, alle seine kinder lächelnd in den arsch zu f!kken, ihnen dabei das hirn weg zu blasen und sie lieben ihn dafür und kaufen seine tollen ” ich- hab- aber- ein- t-bone- steak-bestellt” sprüchlein auf cd.
    willkommen im kapitalismus.
    man kann nicht unbedingt darauf hoffen, dass die technokultur jemals wieder ihren “platz” als subkultur einnehmen wird, denke ich.
    das einzige, was man tun kann, ist tätig sein und für seine ideale einstehen.
    und über die schrägheit dieser welt aus weiter ferne lächeln…

Einen Kommentar schreiben

This is a captcha-picture. It is used to prevent mass-access by robots. (see: www.captcha.net)

Du mußt die 5 Zeichen im Bild, (Zahlen von 0 - 9 und Buchstaben von A - F),
in das Feld eintragen und das Formular abschicken um den Download zu starten.

  

Ohje, das kann ich nicht lesen. Bitte, generiere mir eine