How to create a complete desaster…
25. April 2006, gebloggt von madmarxKatastrophen kündigen sich an. Das Mittel der Wahl wäre ein Tag im Bett, um das Unheil vorbei ziehen zu lassen. Das allerdings fällt flach, wenn eine Wahl flach fällt. Und dann sagt man sich am Besten, dass so eine Katastrophe nicht so schlimm sein kann. Und dann kommt es noch viel schlimmer. Was war passiert?
Neulich war ein guter Tag für Party: ein gemütliches Plätzchen auf der Gästeliste von meinem Lieblings Live Act, den flotten Herren der Recyver Dogs, der gute alte Major ebenfalls zugegen, Bold auch dabei – perfekt. Eigentlich. Mein deutlich volljähriger Golf besann sich auf Dienst nach Vorschrift und gönnte mir lediglich rasselnde drei Zylinder auf dem Weg zum fröhlichen Feiern, Grund genug, auf halbem Wege beizudrehen. Rasseln? Ölmangel, ganz sicher. Zwei Liter rein und der Peilstab glänzte wieder im Schein einer neugierigen Straßenlaterne. Gut so. Besser, wenn ein guter Freund eine Autowerkstatt hat. Diagnose: Kerzenstecker mit Allüren, Vergasereinstellung wie ein Kachelofen – und locker zwei Liter Öl zuviel im Motor. Musiker, bleib bei Deinem Notebook. Das war die Kernaussage. Das Öl würde sich schon verbrennen, alles nienichnix Problemo.
Gute Nachricht. Eigentlich. Schließlich war ein Gig in einer historisch entzückenden Stadt an der Elbe angesagt, ein Wiedersehen zudem mit unserem bezaubernden „Popstar“ aus Österreich, dem funkelnden Rohdiamanten der Booking Agentur. Entzückend, solange man ihr keine Plattenspieler zur Benutzung überlässt. Nein, entzückend dann auch noch, aber mit 160 bpm – zum Anfang – wenig damenhaft unterwegs. Betörende Sets für Adrenalinjunkies. Gemütlich ein Essen mit unserer Bookerin – meinem Pimp -, DJane und Freundin, dann etwas entspannen, tolle Party, Musik machen, mitfeiern und ab nach Hause. Soweit die Theorie.
In der Praxis quittierte mein roter Rave Racer meine Bemühungen, die Fahrt mit 150 km/h etwas abzukürzen durch einer gigantischen Ölwolke aus dem Endrohr, spektakulär, überraschend – und völlig unnötig. Mit gedrosseltem Tempo also weiter. Noch gut gelaunt haben wir, mein Pimp und ich, sicherheitshalber zweimal das Autobahnkreuz gerundet, um dann irgendwann nach Querung der Elbestadt an der Location zu landen. Jeder Ampelstopp geriet zur Performance, weil überflüssiges Öl auf den Auspuff lief und in form von Rauchzeichen aus dem Motorraum quoll. Pimp entwickelte Fluchtinstinkt, gut, dass es einen Gurt gibt, der dass im Ansatz erstickt. Und wir kamen an.
Eine wirklich fette Location im Fels, schwitzen musste keiner, eine Staublunge war auch eher unwahrscheinlich. Als die Anlage endlich stand nach Soundcheck dann zum Essen. Soweit, so gut. Nur das Sauerkraut war keine so weise Entscheidung. Drei Damen verschwanden im Hotel, frisch machen. Rechtzeitig zum Start waren wir wieder freudig vereint. Das blieben wir auch. Vereint und unter uns. Fast. Wenn nicht diese sieben zahlenden Gäste gewesen wären. Sie machten die Hütte nicht wirklich voll, sorgten aber dafür, dass es keine Privatparty wurde. Immerhin. Da machte es dann auch nichts, dass nach 20 Minuten Schleudergang von uns Waschlaboranten der Strom entschlossen in der Steckdose blieb. Die Sicherung der zentralen Kabeltrommel hatte ihr noch junges Leben ausgehaucht. Techno tut eben manchmal weh: ist er zu hart, bist Du zu schwach. Nach 15 Minuten Pinkelpause – oh, dieses Sauerkraut – ging es weiter. Irgendwie. Unsere zwei Zuhörer tobten sich ordentlich aus. Fröhlich feiern.
Unser Star hat dann ordentlich den Hammer fallen lassen. Wollen. Drei Platten waren ihr vergönnt, dann wollte der gute Mensch der Security nach Hause und die Party war vorbei. Nun, halb drei in der Früh ist eine gute Zeit, schlafen zu gehen. Im Prinzip. Macht aber nix, die Fahrtkosten waren drin und so was passiert. Moment, Fahrtkosten? OK, wir Waschlappen hatten es mit 2x 207 km nicht so weit. Da tat es nicht so weh, dass auch für Sprit nichts übrig war. Und der Gast aus Österreich ? Angereist mit Mietwagen aus Linz? Da mutierte das Problem langsam aber sicher zur Katastrophe. 1.200 km Autofahrt, um drei Platten zu drehen, einmal auf eigene Kosten Essen zu gehen und sich die innenarchitektonischen Feinheiten eines möblierten Zimmers unterhalb einer Autobahnbrücke zu betrachten?
Was ein echtes Team ist, das hält zusammen. Pimp und ich überfielen spontan einen Geldauswandschrank und sorgten für reibungslose Returnierung und Komplettierung des Fuhrparks von Sixt samt einer zu Tode betrübten DJane nebst Freundin, um uns dann leicht angeschlagen nach Berlin zu verholen. Es ist eben doch etwas ganz besonderes, ein dickes Minus zu erwirtschaften, ohne Veranstalter zu sein – das hat was. Ich nenne mit Absicht keine Namen, denn jeder kann scheitern, jede Veranstaltung kann gegen die Wand fahren. Auch wenn alles richtig gemacht wurde. Wenn. Reisekosten sollten – zumal bei Auslandsbookings – aber immer gewährleistet sein. Darum ist so etwas in aller Regel auch im Voraus zu zahlen. Vertrauen ist gut, Sicherheit aber geht vor. So habe also auch ich zum Entstehen einer netten kleinen Bilderbuchkatastrophe beigetragen
.
Und die Moral von der Geschicht’? Hört auf euren alten Golf und bleibt im Bett. Ach – ihr habt gar keinen Golf? Na dann – viel Spaß…
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Der Beitrag wurde am Dienstag, den 25. April 2006 um 00:35 Uhr veröffentlicht und wurde unter Allgemein abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. Du kannst einen Kommentar schreiben, oder einen Trackback auf deiner Seite einrichten.



Am 25. April 2006 um 01:27 Uhr
krass, das wünscht man echt keinem!
gute erholung
Am 25. April 2006 um 01:38 Uhr
Stimmt - fast so schlimm wie keine Milch zu den Corn Flakes oder Vanilla Coke ohne Kohlensäure
Am 25. April 2006 um 01:43 Uhr
Mrmpf.. schade, so eine schöne location. So dicke acts. Aber in DD brauch man wohl doch immer auch local heros im lineup damit die Einheimischen hinschauen. Wenn die wüssten was denen entgangen ist.. ts..
Wenn der Text nicht solch tragischen hintergrund hätte, würd ich mich bei golfenden Waschlappen mit Sauerkraut aroma aber lachend auf dem boden rollen.
Ich will diesen GOLF sehen.
Am 25. April 2006 um 08:27 Uhr
Ich nicht. Ich meine, so einem hinterlistigen Gefährt noch in die unschuldigen Scheinwerfer gucken, fällt schon schwer: Mein Wolfsburger Orakel II. Wahrscheinlich die Rache dafür, dass ich ihm nie ein Autoradio gegönnt habe, dieser Oase der Stille…
Nun, was der Bauer nicht kennt, hört er nicht. Und da die Musikszene voll ist von Bauern und Kuhbrustmasseusen, muss man diese halt ans Händchen nehmen und ihnen nicht sooo viele Fremde in die Hütte stellen. Das verschreckt eben. Nu klor, ist lecker, mal Headliner gewesen sein zu dürfen - dann aber lieber doch als unknown Supporting Act dem Major die Hütte vorwärmen, ehrlich
Na ja, wenn wir hübsch brav üben, endlich aufhören, unsere Groupies zu vermöbeln, Strechlimousinen zusammen zu falten und uns aufzuführen, als wären wir über 40, könnte es vielleicht mal mit einer Kombination aus beidem klappen. Wir arbeiten dran
Am 26. April 2006 um 00:36 Uhr
jeder bekommt das auto, das er verdient…
…oder so
Am 26. April 2006 um 00:58 Uhr
Würde diese gewagte These stimmen, hätte ich Rollschuhe. Maximal. Finanziell betrachtet. Und sonst?
Ey, Alda. det Ding könnteste nich ma uff’m Maifeld WENDEN!