b3?L!?s Veranstalter ? WASCHLABOR
2. Mai 2006, gebloggt von Praktikant 
Mit ihnen beginnt sie endlich. Die Serie über die Top 50..
p: Hallo, wer seid ihr?
mm: Waschlabor, ein multifunktionales und erstaunlicher Weise funktionierendes Projekt rund um die elektronische Musik, bestehend aus dem Techno Live Act Waschlabor, Waschlabor Events und Waschlabor Booking. Dazu kommt irgendwann in diesem Jahr noch das Label Waschlabor. Dazu gehört aber auch unsere Arbeit mit Visualisierungen, besonders in Zusammenarbeit mit dem Berliner Maler Andreas Hensel, mit dem wir zurzeit eine Kunst-Musik-Visualisierungs-Performance planen. Was für ein Wort…
Waschlabor ist ein Team, ein Konzept und besteht zurzeit aus vier Personen. Da sind die beiden Gründer Michael Lührig und ich, Michael Marx. Micha Lührig ist als Diplom Nachrichtentechniker der technische „Mastermind“ hinter unserer Hardware, der Softwareversteher, Webadministrator, Webdesigner und Programmierer und quasi nebenbei seit 30 Jahren Keyboarder, als echter Vollblutmusiker. Er werkelt äußerst effektiv mehr im Hintergrund, zum Beispiel sorgt er auch für ein amtliches Premastering unserer Tracks.

Micha² - Marx & Lührig - Waschlabor *LIVE*
Für den „Vordergrund“ bin ich zuständig, PR-Schlampe, Rampensau und Vortänzer unserer Truppe. Kontakte, Werbung, Konzepte, PR, Texte, Webinhalte, Small Talk – oh, ich HASSE das – und Außenwirkung sind mehr mein Bereich. Wie dieses Interview zum Beispiel. Musikalisch frickle ich gerne an schrägen Sounds und versüße das ganze mit hübsch melancholischen Flächen, nerve den Lührig gerne mit meinen geliebten doppelten Kickdrums und knapp verpassten Einsätzen. Er Eis, ich Feuer, er Wanderdüne, ich Welle mit Schaumkrone. Hört sich schwierig an, hat sich sehr bewährt.
Dann haben wir die gute Swantje Wagner, unsere Bookerin, Import aus Thüringen. Hüpft umher wie ein Gummiball, immer leicht obertourig, aber zuverlässig, sehr charmant und eine wichtige Quelle der Information. Sie hält den Laden zusammen, verwöhnt ihre Lieben und macht ordentlich Dampf, wenn wir alte Säcke mal etwas tranig werden.

Die Frau fürs Booking. DJs merkt euch ihr Gesicht und seid freundlich.
Jens Nickel ist der Hans Dampf in tausend Foren, Mitveranstalter und unentbehrlich, wenn es darum geht, eine Party durchzuführen. Er ist nie mit unserer Musik zufrieden und sorgt dafür, dass wir uns ebenso ständig verbessern. Manchmal nervige Qualitätskontrolle – aber anders wollen wir ihn auch gar nicht haben.
Zusammen mit, den unermüdlich fleißigen Helferlein haben wir eine Mannschaft, um die uns viele beneiden. Danke an dieser Stelle an alle, ohne sie wären wir noch lange nicht so weit gekommen…

Jens, der Waschlaborant, den man fast überall und immer trifft
p: Woher kommt DIESER doch außergewöhnliche Name?
mm: Gute Frage und ne nette Geschichte: Ich habe einen Katamaran, einen Hobie 16, der ursprünglich „doubletrouble“ heißen sollte. Da habe ich zusammen mit meinem Mitmusiker und Mitgründer Michael Lührig, eine passende Schrift gesucht, schließlich sollte der Kat mit der Schrift richtig amtlich aussehen. Irgendwann stieß ich auf diese Waschsymbole. Fett, dachte ich mir, viel besser. Also war der neue und endgültige Name geboren: „Handwäschebügelfrei95Grad“. Auf jedem Rumpf jeweils drei große dunkelblaue Waschsymbole. Und weil das so gut rüber kam, haben wir das für uns übernommen. Der Name Waschlabor war da schon fast zwingend: Handwäsche mit 95 Grad? Echte Laborbedingung…

Michael Marx, Live @ Waschsalon
p: Seit wann Veranstaltet ihr
mm: Jeder, der im Tresor arbeitete, weiß das – und wie es dazu kam. Wir haben die armen Leute dauernd mit Demos von uns zugeworfen. Alle. Bis eines Tages Alexandra, damals dort Bookerin, zu uns kam und uns die ersten drei Partytermine gab. Vielleicht, damit das endlich aufhört, wer weiß…
Jedenfalls startete dann also am Freitag, 23. Juli 2004 im Tresor Berlin unsere erste Partyreihe „Waschtag“ im Tresor. Das war auch der Termin unseres ersten öffentlichen Auftritts. Ein Schelm, wer böses dabei denkt. Hey, Schelm – Du hast natürlich Recht ![]()
p: was und wo veranstaltet ihr?
mm: Na, Partys halt. Am liebsten auf mindestens drei Floors, mit dem Fokus eindeutig auf Techno. Arschwackelhouse und Handtäschchenweitwurf ist nicht so unser Ding, eher Tekkhouse, Progressive, natürlich gerne auch Minimal. Aber eben als Beiprogramm und dennoch in hoher Qualität. Wir machen uns schon einen Kopf, bevor wir ein Line-up zusammenstellen. Es muss vom musikalischen Aufbau, von der Dramatik her, einfach passen. Einen großen Wert legen wir auf ein super Warm-up. Wenn die Gäste einfühlsam in die Nacht geleitet werden, wird eine Party „rund“, ebenso wichtig ist auch das Ende: langsam die Leute einsammeln und die Stimmung runter fahren. Das Partyvolk aus vollem Galopp auf die Straße zu setzen, ist ätzend.
Wir haben im Pulp Manson veranstaltet, im Lindenpark Potsdam, im Werk 9, im Sky Club unser Record Release, zuletzt im „Alten Speicher“ Schlanstedt bei Magdeburg. Zurzeit sind wir auf der Suche nach einer neuen „Homebase“ in Berlin. Wenn der neue Tresor öffnet, werden wir sicher versuchen, dort die sehr erfolgreiche Partyreihe „Waschtag“ fortzusetzen. Wie immer freitags. Freitag ist eben Waschtag, ganz einfach.
p: Habt ihr so was wie Resident Artists?
mm: Nein, grundsätzlich nicht. Wir wollen Abwechslung bieten mit immer anderen DJs, Wiederholungen sind eher selten, Ausnahmen von der Regel gab es aber schon. Ganz wichtig ist uns die Nachwuchsförderung. Ein paar mittlerweile recht erfolgreiche DJs haben wir gewissermaßen „entdeckt“, das ist immer wieder eine tolle Sache. Leider ist Förderung als so genannter Fremdveranstalter nicht so einfach. Was der Bauer nicht kennt, frisst er nicht. Die Neugier der PartysanInnen ist bedauerlicher Weise sehr übersichtlich…



















Der Waschlabor Booking Roster
p: was ist euch bei einer party wichtig? Worauf achtet ihr am meisten?
mm: Ein ausgewogenes Line-up. Sehr gutes Warm-up, langsame Steigerung des Tempos, eine erkennbar Spannungskurve, DJs, die miteinander harmonieren, nicht nur musikalisch. Wenn da ein gemeinsames Feeling entsteht, überträgt sich das 1:1 auf die Gäste, sehr niedriges Aggressionspotential, tolle Stimmung und viele Stammgäste sind die Belohnung. Wir würden nie DJs buchen, mit denen wir menschlich nicht klar kommen, vom musikalischen ganz zu schweigen. In unseren Partynächten sollen alle eine verschworene Gemeinschaft sein, eine Familie, die ihre gemeinsame Leidenschaft auslebt. Wenn morgens noch fast alle verbliebenen Gäste mit einem verzückten Lächeln über die Tanzfläche zu schweben scheinen, ist das ein echtes Gänsehautgefühl für und als Veranstalter. Dann ist auch ein Minus nicht so schmerzhaft…
Wenn man Partys nach diesen Kriterien ausrichtet, ist es praktisch kaum möglich, damit ernsthaft Geld zu verdienen. Im Schnitt war’s über die Jahre ein Minus – aber dennoch möchte ich sagen, es waren erfolgreiche Partys. Das lässt sich eben nicht an den einnahmen messen. Wenn mich auch heute noch Leute fragen, wann es denn endlich mal wieder einen Waschtag gibt, weiß ich, dass wir alles richtig gemacht haben. Na ja, fast alles. Gefloppt haben wir natürlich auch. Es ist eben ein Lernprozess.
p: was ist an euch besonders?
mm: Vielleicht, dass wir unsere Gäste sehr ernst nehmen, vielleicht, dass wir immer für ansprechbar sind für alle, vielleicht auch, dass wir uns nicht so wichtig nehmen und eher auf dem Dancefloor zu finden sind als Backstage. Ich bin ne echte alte Feiersau, am liebsten auf der Tanzfläche – wenn die Musik stimmt. Vielleicht ist es, weil wir uns sehr viel Mühe geben mit den line-ups, wer weiß. Warum fragst Du da nicht einfach mal unsere Gäste?
Naja, musikalisch ist vielleicht besonders, dass wir immer frei improvisieren, ohne Absprache, ohne vorgegebene Reihenfolge, ohne vorgefertigte Tracks. Es ist eher eine Jamsession, es ist organisch, entwickelt sich je nach Stimmung, Location und Reaktion der Gäste. Jedes Set ist in Aufbau und Ablauf anders, es entstehen ad hoc neue Tracks, wir treiben und werden getrieben. Klar, einige Sachen spielen wir in ähnlicher Form immer wieder mal, das sind so Tracks mit hohem Wiedererkennungswert, zum Beispiel Tracks von unserem ersten Release. Ehrlich gesagt ist das einer. Der Horror eines jeden Labelchefs wahrscheinlich. Aber so produzieren wir auch: einspielen, aufnehmen, Premastering – fertig. Klar, das ist alles Zeug, was sich live bewährt hat. Aber Wochen im Studio frickeln ist nicht unser Ding, das muss spontan kommen – dann funktioniert es auch. Bei uns jedenfalls.
Wir verstehen uns in erster Linie als Dienstleister, nicht als abgehobene Künstler. Wir wollen unsere Gäste unterhalten, nicht ihnen unseren Style aufzwingen. Was Neues anbieten? Ja, klar, aber immer im Blickfeld behalten, das die Gäste Eintritt gezahlt haben und dafür mit Recht erwarten, angenehm unterhalten zu werden, nicht Geisel zu sein eines elitären Konzepts. Ja, das könnte eventuell das Besondere sein. Aber wir können das nun wirklich nicht selbst beurteilen. Wir sind toll, weil… wie krank ist das denn?
p: Wie weit im Vorfeld beginnt ihr mit der Planung eines Termins?
mm: Je nachdem, wann wir die Zusage einer Location haben, am liebsten mindestens ein halbes Jahr im Voraus. Wenn Du einen Star präsentieren möchtest, brauchst Du eine sehr lange Vorlaufzeit, weil schließlich ALLE einen Star präsentieren möchten – und so viele gibt es nun auch wieder nicht. Wenn dir ein Betreiber erst auf den letzten Drücker einen Termin bestätigt, kannst Du sicher sein, dass er Dich in Wirklichkeit gar nicht haben möchte, weil er die Konkurrenz fürchtet. Wir haben schon Ansagen bekommen, dass das Line-up überbucht, also zu gut, sei. Man wollte uns das Eintrittsgeld festlegen, und zwar möglichst niedrig, damit mehr für die Bar übrig bleibt. Als „Fremdveranstalter“ bist Du solange eine Weihnachtsgans zum ausnehmen, bis Du dank Deines Namens selbst Bedingungen diktieren kannst. Aber da sind wir – vielleicht zum Glück – noch weit entfernt von.
p: Kannst du mir noch 3 Veranstalter nennen mit denen ihr harmoniert?
mm: Die Leute von Symbiostic Radio, sehr engagiert, hilfsbereit und kompetent, Talisman und seine Echnoton-Truppe und den unermüdlichen Torsten Kanzler mit den Killaz-Nächten. Das sind allesamt echte Freunde, mit denen wir kooperieren und auf sehr professioneller Ebene zusammen arbeiten. Da gibt es keinen – absolut überflüssigen – Neid, sondern Freundschaft, gegenseitige Hilfe. Für diese Leute würden wir uns vierteilen lassen, ehrlich. Es geht uns einfach um die Musik, das verbindet. Symbiostic Radio hat uns in Schlanstedt tolle Minimal-Floors präsentiert, mit Killaz machen wir den Hardtechno Floor auf der Love Base in der Kulturbrauerei und haben uns gemeinsam um einen Wagen auf der diesjährigen Loveparade beworben. Und die Echnoton-Jungs waren auf vielen unserer Partys dabei. Alles diese Musikverrückten, diese Beatjunkies und Partymaniacs, ohne die diese Szene einfach mal nicht funktionieren würde. Konkurrenten? Quatsch. Dieses Konkurrenzdenken, dieser Neid zerstört die Szene.

In Action @ Tresor. Sicherlich ist es nicht einfach Veranstalter und Artist zu sein. Erst recht wenn eigene Darbietungen nicht nur auf Platten drehen, sondern komplexen Liveacts beruhen
p: Was sind eure nächsten Vorhaben?
mm: Hey, klare Sache: einen Wagen auf der Loveparade zu bekommen. Unmögliches wird sofort erledigt, Wunder dauern etwas länger. Die Chancen stehen 12:1. Klar, wir sind die eins.
Dann freuen wir uns sehr auf die Love Base. Schon im letzten Jahr war der Hardtech Floor rappelvoll. Absolut der unmöglichste Floor, vielleicht acht Meter breit, sechs Meter hoch und mindestens vierzig Meter lang – die absolute Soundhölle. Wir ganz am Ende, keine Tür, keine Fluchtmöglichkeit, keine Monitore, eingezwängt zwischen der PA, nur einen Biertisch für unser Equipment, in demutsvoller Bückhaltung spielend und das Feiervolk nicht mal einen Meter vor uns auf Augenhöhe. Mann, was war das geil, so intensiv, wie wir es nie wieder hatten. Vorfreudefaktor 1.000. Diesmal als Ko-Veranstalter mit Killaz Records zusammen.
Das Label Stromlabor – passt prima, oder? – wird uns auf Tour schicken, wir kommen also viel rum in diesem Jahr. Es stehen noch nicht alle Stopps fest, aber eine flotte Sause wird’s allemal. Bei der SMS haben sie auf dem lauten Parkplatz ne richtige Bühne mit Gogos, fettem Licht und Sound am Start. Eines Tages dürfen wir vielleicht auch mal da mitspielen, wo die Großen sind.
Dann arbeiten wir an zwei Releases, einmal in Koproduktion mit Nathalie de Borah, einmal zusammen mit unserem Shooting Star Miss Joana aus Linz, Österreich. Eine eigene Scheibe ist wahrscheinlich auch noch drin, eine Waschlabor Booking Compilation ist auch noch in Arbeit.

Miss Joana aus Linz gilt als gekrönte Waschlabor Entdeckung.
OK, da wären auch noch ein paar andere Pfeile im Köcher, aber die müssen da erst mal noch bleiben, fette Überraschungen auf jeden Fall. Wird aber rechtzeitig bekannt gegeben, versprochen.
Ach so, wer von den Lesern noch Fragen an uns hat, darf sie gerne stellen, ich bemühe mich, sie zeitnah – was für ein dämliches Modewort – zu beantworten. Ich werde das dann unter dem Titel „Leserfragen an Waschlabor“ an dieser Stelle veröffentlichen.
Die erste beantworte ich mal gleich: Nö, ich bin nicht verheiratet, habe keine Freundin, schnarche nicht und…
Danke für eure Geduld.
Micha Marx für Waschlabor
p: danke für das Interview.
Für weitere informationen und die aktuellsten Termine und Projekte von Waschlabor checkt ? www.waschlabor.de

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Der Beitrag wurde am Dienstag, den 2. Mai 2006 um 19:50 Uhr veröffentlicht und wurde unter Interviews abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. Du kannst einen Kommentar schreiben, oder einen Trackback auf deiner Seite einrichten.




Am 2. Mai 2006 um 20:58 Uhr
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